AUFGABENSTELLUNG | MOTIVATION
Die steigenden Anforderungen an die Integration von Rezyklaten aus Altfahrzeugen in Neufahrzeuge erfordern neuartige Verarbeitungstechnologien für bisher stofflich nicht verwertbare Materialien wie Sitzbezüge. Aufgrund der hohen Komplexität der Sitzzerlegung ist eine separate Verwertung der Sitzkomponenten und Bezugstoffe aktuell nur unter erheblichem Arbeits- und Zeitaufwand möglich. Daher werden diese bislang nicht werkstofflich recycelt, sondern innerhalb der Schredderleichtfraktion thermisch verwertet. Das Potential zur Steigerung der Ressourceneffizienz wird dabei aber außer Acht gelassen. Aus diesem Grund ist die Entwicklung einer Wertschöpfungskette notwendig, die es erlaubt, Kunstleder-Sitzbezüge aus End-of-Life (EoL)-Fahrzeugen wirtschaftlich zu recyceln und einem geschlossenen Materialkreislauf zuzuführen.
PROJEKTZIEL | ARBEITSHYPOTHESE
Das Ziel ist die Entwicklung des werkstofflichen Recyclings für EoL-Fahrzeugsitzbezüge aus Kunstleder mit PVC-Beschichtung. Zunächst wird eine wirtschaftliche Zerlegetechnologie für EoL-Fahrzeugsitze entwickelt, wobei manuelle, automatisierte, zerstörungsfreie und zerstörende Verfahren betrachtet werden. Anschließend erfolgt die Entwicklung von Recyclingprozessen in Form von mechanischer Trennung, Zerkleinerung, Säuberung und Sortierung zur Herstellung von PVC-Rezyklatpulver aus gebrauchtem Sitzbezugsmaterial. Dieses wird so aufbereitet, dass es sich als Bestandteil in neuem PVC-Kunstleder eignet und der direkte Materialkreislauf geschlossen wird. Zur Entwicklung des Herstellungsverfahrens des rezyklathaltigen Kunstleders werden Streich- und Extrusionverfahren untersucht. Um optimale Demontage-, Recycling- und Herstellungsprozesse sowie Rezyklate zu erarbeiten, erfolgt ferner eine ökonomische und ökologische Bilanzierung sowie digitales Datenmanagement.
NUTZEN | AUSBLICK
Das Projekt erlaubt Altfahrzeugverwertern und Demontagebetrieben, gebrauchte Bezugsmaterialien zu einem höheren Wert als im Mischschrott zu vermarkten. Zudem können KMUs die neuen zirkulären Prozesse wirtschaftlich anbieten, den steigenden Bedarf an PVC-Kunstleder und PVC-Rezyklat, insbesondere in der Automobil-Industrie, decken sowie neue resiliente Lieferketten aufbauen. Auf Basis der analysierten Prozesskennwerte sind Beschichtungsunternehmen in der Lage, Rezyklatmaterial zu verarbeiten, während Sitzhersteller sowie Sattlereien Zugang zu nationalen, nachhaltigen Bezugsmaterialien erhalten. Neue Geschäftsmodelle für zirkuläre Prozesse wie Verkauf des PVC-Sekundärmaterials bieten damit einen Wettbewerbsvorsprung, gesteigerte Ressourceneffizienz und fördern die Klimaziele.
FORMALE ANGABEN | PROJEKTLEITER FILK | PROJEKTPARTNER |
Programm: IGF Förderkennzeichen: 01IF24915N Projektbeginn: 04.2026 Laufzeit: 24 Monate | Dr. Christine Rincke | Kevin Unnasch, Susanne Kroll, Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, Dresden |




