Antimikrobielle Holz-PVC-Compounds

BMWi IGF 20050 BR | Laufzeit: 04.2018 – 03.2020 Bernd Morgenstern, Maren Lehmann, Kathrin Leppchen-Fröhlich, Isabel Zirnstein, Michael Meyer, FILK Freiberg
  • Kategorien:
  • Funktionale Schichtsysteme
  • Technische Textilien/Composite

Ausgangssituation

Holz-Polymer-Werkstoffe (WPC) basierend auf Polyvinyl­chlorid (PVC) werden häufig als Terrassen­dielen, Fassaden- und Möbelel­emente verwendet. Je nach Einsatzort kann es bei langfristigem Einsatz der WPCs zu Verfärbung und nachlassender Festigkeit kommen. Die nachteiligen Eigenschafts­veränderungen werden ausgelöst durch mikrobiellen Befall, vor allem von Schimmel­pilzen und deren Ausscheidungs­produkten aus der Verstoff­wechselung von migrierenden Weich­machern oder anderen organischen Additiven. Um eine längere Einsatz­dauer der WPC-Produkte zu ermöglichen und den potentiellen Befall zu reduzieren, werden oft biozid-wirkende Additive zugegeben, die ausbluten und so umwelt- und gesundheitsschädlich sein können.

In einem vorangegangenen Projekt (MF 140064) wurden flexible Holz-PVC-Materialien (WPC-Folien) entwickelt. Diese Materialien sollten im vorliegenden Projekt mit antimikrobiellen Wirkstoffen ausgestattet werden.

Projektziel

Um eine langanhaltende, antimikrobielle Ausstattung der WPC-Folien zu ermöglichen, sollten keine neuartigen Wirkstoffe entwickelt, sondern auf bekannte Substanzen zurück­gegriffen werden, wobei der Fokus auf lang­kettigen und polymeren Verbindungen lag. Von besonderem Interesse waren quartäre Ammonium­verbindungen, die in anderen Anwendungen (z. B. Kosmetika) bereits antimikrobielle Wirksamkeit zeigten.

Lösungsweg

Das Projekt wurde in fünf Abschnitte unterteilt:

  • Auswahl verschiedener Zusätze (Additive und Hölzer) und Vorversuche hinsichtlich der antimikrobiellen Aktivität gegen Bakterien und Schimmelpilze

  • Compoundierung des PVC und der Zusätze sowie Herstellung der WPC-Folien am Walzwerk

  • Bestimmung der antimikrobiellen Aktivität der WPC-Folien

  • Thermische und mechanische Charakterisierung

  • Funktionsnachweis unter Realbedingungen

Ergebnisse

Es wurden unterschiedliche antimikrobielle Zusätze erfolgreich in WPC-Folien auf PVC-Basis eingearbeitet. Auf die Wasser­aufnahme, die thermische Beständig­keit und die mechanischen Eigen­schaften hatten die antimikrobiellen Zusätze im Gegensatz zu den Holz­spänen nur einen geringen Einfluss. Die meisten unter­suchten antimikrobiellen Zusätze haben die Gesamt­ober­flächen­energie der Folien kaum beeinflusst. Allerdings verringerte sich der Wasser-Kontaktwinkel insbesondere bei den Folien mit Farnesol. Diese besaßen einen Kontakt­winkel von unter 80°, was auf eine gute Benetz­barkeit mit polaren Materialien hinweist.

Die verschiedenen Tests der WPC-Folien zeigten, dass Folien mit Farnesol, IPBC/TBZ oder PolyDADMAC mindestens bakterio­statisch und fungi­statisch wirken. IPBC/TBZ und PolyDADMAC migrieren aus der Folie an die Ober­fläche. Das quartäre Polymer (PolyDADMAC) zeigte wie erwartet eine antimikro­bielle Wirkung sogar ohne einen zusätzlichen Aktivierungs­schritt, ist aber aufgrund seiner Migrations­neigung nur bedingt geeignet. Der langkettige Alkohol (Farnesol) zeigte ebenfalls antimikrobielle Eigen­schaften. Hinweise auf ein Heraus­lösen aus der Folie gab es nicht.

Durch das in dem Projekt erarbeitete Know-how wurden Material­kenntnisse und etablierte Verfahren zusammen­geführt. Bei den Verarbeitungs­techniken und den Strategien zur Einarbeitung der antimikro­biellen Zusätze stand stets im Vorder­grund, dass keine bzw. wenige zusätzliche Arbeits­schritte nötig sind und der zusätzliche Arbeits- und Zeitaufwand minimal bleiben. Durch die erstmalige Kombination von Weich-PVC mit antimikrobiellen Polymeren und Holz wurden Wege zur Herstellung neuer, nachhaltiger Produkte erschlossen.

   

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Danksagung

Das IGF-Vorhaben 20050 BR der Forschungs­vereinigung „Forschungs­institut für Leder und Kunststoff­bahnen gGmbH“, Meißner Ring 1 – 5, 09599 Freiberg wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der „Industriellen Gemeinschafts­forschung und -entwicklung (IGF)“ vom Bundes­ministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Wir bedanken uns für die gewährte Unterstützung.

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Kontakt

FILK Freiberg Institute gGmbH
Meißner Ring 1-5
D-09599 Freiberg

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