Untersuchungen zum Brandverhalten von Kunststoffbahnenwaren

BMWi IGF 19779 BR | Laufzeit: 01.2018 – 06.2020 Miriam Bader, Bernd Morgenstern, FILK Freiberg; Steffen Krzack, IEC Freiberg
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  • Werkstoffcharakterisierung

AUSGANGSSITUATION

Kunst­stoff­bahnen­waren finden in zahl­reichen Bereichen unseres all­täglichen Lebens Anwendung. Beispiels­weise im Bau­wesen in Form von Fußboden­belag oder Wand­verkleidung, als Interieur in Auto­mobilen, Flug­zeugen oder anderen Fahr­zeugen und als Polster- und Bezugs­materialien für öffentliche oder private Einrichtungen. Dabei stehen Kunst­stoff­bahnen aus Polyurethan (PUR) immer mehr im Fokus, da diese als halogen­freie Alternativen zu PVC-basierten Produkten dienen können. PUR weist jedoch eine hohe Brennbar­keit auf und stellt im Brand­fall bei unzureichendem Flamm­schutz eine bedeutende Gefahren­quelle dar.

PROJEKTZIEL

Mit dem Forschungs­vorhaben sollten Zusammen­hänge zwischen der Wirkungs­weise von Flamm­schut­zmitteln (FSM) in dünnen, flexiblen Materialien und den verschiedenen Brand­prüf­konzepten erarbeitet werden.

LÖSUNGSWEG

Zunächst wurden Versuche mit Modell­folien durch­geführt, welche eine Funktions­schicht des Verbund­materials Kunst­leder darstellen. Dafür wurde ein umfang­reiches Proben­set bestehend aus vier verschiedenen PUR‑Systemen (zwei High Solids, zwei wässrige Dispersionen) und sechs FSM erstellt. Die FSM wurden in zwei verschiedenen Konzen­tra­tionen eingesetzt (10 / 30 phr) und die Folien in kompakter bzw. geschäumter Form ange­fertigt. Weiter­hin wurden Zusammen­hänge zwischen thermo­analytischen Methoden wie TGA und DSC mit typischen Brand­prüfungen heraus­gearbeitet.

ERGEBNISSE

Die Modellfolien wurden mit Brand­prüf­methoden (horizontales Brenn­verhalten, LOI, Cone-Kalorimetrie) charakteri­siert. Dabei stellte sich entgegen den Erwartungen heraus, dass FSM enthaltende Folien überwiegend besser brennen. Dies galt für FSM verschiedenster Material­klassen (organisch, anorganisch, mineralisch) und verschiedenster Wirkungs­weisen (Radikal­fänger, Charing, Kühlung). Zur Aufklärung dieser unerwarteten Ergebnisse wurden thermo­analytische Methoden angewandt. Dabei lieferten insbesondere die TGA sowie die ETV (Elektro­thermisches Verdampfen)-ICP-OES aussage­kräftige Ergebnisse. Mit diesen beiden Methoden wurde fest­gestellt, dass FSM erst bei höheren Temperaturen als das Polymer (PUR) zersetzt werden und somit bspw. keine Kühlung oder Radikalfänger-Reaktion statt­finden kann.

Bei den Untersuchungen der Verbund­materialen zeigte sich das erwartete Verhalten. Hier zersetzte sich das FSM bei geringeren bzw. gleichen Temperaturen wie das Polymer. Auch mit den Brand­prüfungen wurde die Wirkung der FSM nachgewiesen. Wie die Abbildung zeigt, sind die LOI-Werte der FSM-enthaltenden Kunst­leder höher als vom Kunst­leder ohne FSM. Mit steigender FSM-Konzentration steigt auch der LOI-Wert. Keine Rolle spielte, ob der Zwischen­strich des Kunst­leders kompakt oder geschäumt vorlag.

Von beiden Forschungs­einrichtungen wurden zahlreiche Methoden zur Charakteri­sierung des Brand- und Zersetzungs­verhaltens angewandt. Aufgrund der geringen Proben­dicke mussten viele Methoden angepasst und optimiert werden. Einige Methoden, wie bspw. die Bestimmung der Zündtemperatur, stellten sich als ungeeignet heraus. Die Ergebnisse der Thermo­analyse­systeme konnten nicht mit­einander korreliert werden. Hingegen war eine Korrelation der Brand­prüf­methoden gut möglich.

Mit Hilfe der TGA können zukünftig Voraus­sagen getroffen werden, ob ein FSM wirkt oder nicht, aber nicht in welchem Maße. Entscheidend ist, dass das Verbund­material geprüft wird, da die Ergebnisse der Einzel­schichten keine Überein­stimmung mit denen der Verbunde zeigen.

   

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Danksagung

Das IGF-Vorhaben 19779 BR der Forschungs­vereinigung „Forschungs­institut für Leder und Kunststoff­bahnen gGmbH“, Meißner Ring 1 – 5, 09599 Freiberg wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der „Industriellen Gemeinschafts­forschung und -entwicklung (IGF)“ vom Bundes­ministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Wir bedanken uns für die gewährte Unterstützung.

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Kontakt

FILK Freiberg Institute gGmbH
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